Staunen und Fragen Sicher haben Ihre Kinder schon solche und zahlreiche ähnliche, scheinbar nie enden wollende Fragen an Sie gerichtet. Sie stellen diese Fragen auch ohne Anstoss durch Sie, die Eltern, durch Erzieherinnen/- Erzieher oder Lehrerinnen/Lehrer. Sie ergeben sich aus alltäglichen Zusammenhängen und Beobachtungen, dem Staunen der Kinder über die Welt und ihre Erscheinungen.
Bei den Antworten sind wir als Erwachsene ständig gefordert und meist werden "große ontologische" Fragen über Begriffe, das Sein und Wesen von Menschen, Dingen, der Welt und des Weltalls in Situationen gestellt, die nicht den angemessenen Zeitrahmen und die ungeteilte Aufmerksamkeit zulassen.
Ich will Ihren Kindern
diesen Raum und Zeitrahmen bewusst ermöglichen.
Zwar gilt, dass jede Frage zumindest auf eine philosophische Fragestellung zurückgeführt werden kann.
Aber nicht jede Frage ist philosophisch gemeint! Um den philosophischen
Gehalt zu ermitteln, bedarf es neben einer generellen Sensibilierung für kindliche Fragestellungen,
einer philosophisch-didaktischen Fundierung.Eine Aufgabe des Philosophierens mit Kindern
besteht daher zunächst darin, zu erkennen, wann bei kindlichen Fragen philosophische Fragestellungen berührt werden.
Orientierung im eigenen Denken Neben dem Bewahren von und dem Anregen zum unbefangenen Fragen, steht als weiteres Ziel des Philosophierens mit Kindern die Vermittlung von
Orientierungswissen, oder richtiger von Orientierungstechniken.
Die Angebotsvielfalt in nahezu jedem Lebensbereich
sowie die Fülle an verfügbaren Informationen, lässt die Fähigkeit des Unter- und
Entscheidens sowie der Thesenprüfung und Begründung zentral werden.
Auf spielerische Weise werden deshalb auch Techniken wie: Subsumierung, Kategorisierung, Selektion und Begründung erprobt.Im Mittelpunkt stehen verschiedene Formen des Gesprächs, die sinnvoll und situativ mit anderen Methoden zu verbinden sind. Das können jeweils sein: Philosophieren über Texteund Bilder, sokratisches Gespräch, freies Fabulieren, Gedankenbäume, aber auch Phantasiereisen, Malen, Singen, Skulpturen stellen und szenisches Spiel haben darin ihren Platz. In Dialog treten In der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Fragedimensionen werden neben kognitiven Fähigkeiten vor allem reflexive, kommunikative und emotionale Fähigkeiten geschult, da das Suchen nach möglichen Antworten stets die eigene Erfahrung einschließt und in Formen des sozialen Miteinanders einbringt. Die Schulung dieser Fähigkeiten leistet einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung sowie zur besseren Orientierung in der Welt.
Damit diese Fähigkeiten entsprechend ausgebildet und vertieft werden können, spielen Diskurs- und Argumentationsregeln sowie die Größe der Gruppe (bis zu 6 Kinder) eine wichtige Rolle. Kinder lernen nicht nur zu reden, sondern auch anderen zuzuhören und sie als gleichwertige Diskurspartnerinnen/-partner zu behandeln. Die Einübung logischer Regeln wie auch die Einübung von Argumentationstechniken wie z.B. Thesen aufzustellen, diese zu begründen, Gegenbeispiele zu suchen etc. ist unabdingbar, um sich im Denken orientieren zu können. Im Zeitalter des Computers, in dem das Webben bereits als vierte Kulturtechnik seinen Platz gefunden hat, ist die Orientierung im eigenen Denken, die Fähigkeit Standpunkte einzunehmen und begründet zu vertreten, durch nichts zu ersetzen. Ich möchte in Zusammenarbeit mit Ihren Kindern die Basis für einen selbstbewussten Umgang damit legen. |